Sämi Weber Biografie

Meine erste richtig gute Geschichte hörte ich auf dem Weg von Arosa nach Lenzerheide: Damit ich auf der langen Wanderung nicht schlapp machte, erzählte mir mein Vater eine selbst erfundene Geschichte von «Ludi», der in unserem Nachbardorf im Dachgeschoss des Restaurant Trotte wohnte. Ich kann mich nicht mehr an die Geschichte erinnern. Ich weiss nur noch, dass die Zeit wie im Flug verging und ich danach mit kindlicher Penetranz weitere Abenteuer von «Ludi» hören wollte.

Eines schönen Tages wurde meinem Vater die Stürmerei zu viel, und er sprach mir zwei Folgen auf eine Kassette. Sie war mein grösster Schatz. Dummerweise kam ich einige Jahre später in die Pubertät und überspielte die Kassette mit der aktuelle en Hitparade. Schliesslich kosteten gute Kassetten damals ein kleines Vermögen, und ich kannte die Geschichte ja in- und auswendig. Mein Vater starb, als ich 11 Jahre alt war. Er konnte mir also keine neue Geschichte mehr aufsprechen. Heute würde ich alles dafür geben, wenn ich diese Kassette wieder hätte.

Ab der 1. Klasse habe ich damit begonnen, meine eigenen Geschichten zu schreiben. Zuerst waren es lediglich Adaptionen von «Schneewittchen» und anderen Klassikern. Dann kamen je länger je mehr eigenen Geschichten dazu, mit denen ich später sogar einmal einen Schreibwettbewerb gewann. Mit 11 Jahren stellte ich einen persönlichen Leserekord (3 Bücher innert 24 Stunden) auf. Danach war für mich endgültig klar, dass ich selbst einmal Krimis schreiben wollte. Zielpublikum: Kinder in der 4. Klasse. Ich war felsenfest überzeugt: In diesem Alter fiel der Entscheid zwischen «lesen» und «nichtlesen». Und ich wollte unbedingt meinen Teil zu einer lesenden Nation beitragen.

Mein absoluter Lieblingsautor war der Winterthurer Heiner Gross. Ich habe manches Laken mit seinen Abenteuern durchgeschwitzt und bin ihm auf so manche Achterbahn der Gefühle gefolgt. Seine Bücher waren ebenso spannend wie lustig und haben meinen Schreibstil bis heute entscheidend geprägt. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich ihn kurz vor seinem Tod noch persönlich kennenlernen und für den Zürcher Oberländer interviewen durfte.

Trotzdem wurde es nichts mit eigenen Krimis: Jeder Besuch in einer Buchhandlung führte mir schonungslos vor Augen, dass es bereits mehr als genügend Krimiautoren gab. Also liess ich es bleiben und schrieb dafür alles andere, was es auf dieser Welt zu schreiben gibt.

Als ich mit meinen beiden Jungs an einem kalten Sonntag Nachmittag das Waldhüsli der St. Nikolausgesellschaft der Stadt Zürich besuchte, sah ich, wie der Esel seinen Kopf aus dem Gehege streckte und die Tannenzweige frass, die dort als Dekoration angebracht wurden. Ich habe diesen  Vorfall etwas ausgeschmückt und einigen Leuten erzählt. Einer war so begeistert, dass er mich bat, die Geschichte für ihn auf CD zu sprechen. Das erinnerte mich schlagartig an meine Kindheit und hauchte dem alten Wunsch, Geschichten für Kinder zu schreiben, neues Leben ein.

Allerdings wollte ich die Geschichte auf keinen Fall selbst erzählen. Schliesslich war ich beruflich mit einigen Leuten in Kontakt, die das weitaus besser machen konnten als ich. Also weihte ich Chris Grunder vom Selmi Tonstudio in meine Pläne an. Er war begeistert und machte mit Feuereifer mit. Und weil er früher einmal mit Sandra Studer in der gleichen Band spielte, konnte er die bekannte Moderatorin, Schauspielerin und Sängerin für unser Projekt begeistern, was uns natürlich enorm geholfen hat. Schliesslich gelang es mir, auch noch den Illustrator Stefan Frey von meinem Projekt zu überzeugen und ihn für eine Buchversion der Geschichte zu begeistern.

«Benjamin der Esel» kam 2005 auf den Markt und schoss sogleich auf Platz 2 der Schweizer Hörbuchhitparade (gibt es heute leider nicht mehr). Wir hatten die Bücher und CDs im Eigenverlag produziert und innert 14 Tagen mehr als 1’000 Exemplare verkauft. Offenbar gab es Menschen, die genauso Freude an Schweizer Kindergeschichten hatten, wie ich. Freude hatte auch die Vereinigung zur Förderung Schweizer Jugendkultur. Sie prämierte die CD «Benjmain der Esel» mit der höchsten Auszeichnung «Besonders empfohlen».

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